Was heißt eigentlich „lösungsorientiert“?

Viele Coaches und Berater, so auch ich, werben damit, „lösungsorientiert“ zu arbeiten. Das trägt uns gelegentlich den Spott von Marketingfachleuten ein, die die Frage stellen, welche Beratung denn das Ziel habe, keine Lösung zu finden.

Nun es sind am Ende gar nicht so wenige Änsätze, bei denen die Lösung nicht die Hauptrolle spielt!

Die lösungsorientierte Beratung geht auf den US-amerikanischen Psychotherapeuten Steve de Shazer zurück, der diese Methode Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts vorgestellt hat. Der Kernsatz dieser Methode lautet:

Lösungen konstruieren, statt Probleme analysieren! (1)

Von dieser Grundanahme aus lassen sich fünf Prinzipien ableiten:

  1. Beraten heißt Lösungen (er)finden.
  2. Die Ratsuchenden bringen Fähigkeiten mit und nutzen diese gerne zur Lösung ihrer Probleme.
  3. Alles, was wir wahrnehmen, ist ein Konstrukt und kann auch umkonstruiert werden.
  4. Lösung bedeutet Veränderung und Veränderungen setzen Dynamiken frei, die einen Veränderungsprozess in Gang setzen und in Gang halten.
  5. „Don’t fix it if it aint broke“ (Repariere nicht, was nicht kaputt ist): Der Berater soll die Ratsuchenden nicht grundlegend verändern, sondern sie bei der Lösung eines benannten Problems begleiten, das heißt: schnell und effektiv.

Gerade am letzten Prinzip lässt sich der Unterschied zu verschiedenen anderen Ansätzen gut deutlich machen: So geht etwa der psychoanalytische Beratungsansatz davon aus, dass Menschen, die intensiv eine Innenschau betrieben haben, dadurch die Fähigkeit erlangen, eigenständige Entscheidungen zu treffen. Ziel dieser Beratung ist es also, die Klienten dazu zu befähigen, eine Lösung zu finden. Demgegenüber steht die Erarbeitung konkreter Lösungen nicht im Vordergrund.

Ich möchte diesen Ansatz nicht grundsätzlich kritisieren. Von mir wird es jedoch nicht eingesetzt. Ich arbeite mit meinen Klienten daran schnell und in wenigen Terminen eine Lösung für ein akut drängendes Problem zu finden.

Damit komme ich zu folgendem Fazit:  Zum einen setzt längst nicht jede fachliche Intervention den Schwerpunkt auf das Finden von Lösungen, zum anderen verweist Lösungsorientierung auf einen anerkannten und sehr erfolgreich eingesetzten Beratungsansatz.

Also liebe Marketingleute: „Lösungsorientiert“ ist kein Buzzword sondern ein Beratungsansansatz. Und überhaupt: Was regt ihr euch über Buzzwords auf -:))

 

 

(1) Dieses Zitat und die folgenden Ausführungen zu den 5 Prinzipien sind dem Aufsatz „Beratung unter lösungsorientierter Perspektive“ von Günter G. Bamberger, in: Nestmann/Engel/Sickendiek (Hg.): Das Handbuch der Beratung, Band 2: Ansätze, Methoden und Felder. Tübingen 2007, S. 737-748, entnommen. Der Sammelband war ein Standardwerk in meiner Ausbildung und wird von mir für den vertieften Einstieg wärmstens empfohlen.

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